Der Rhythmus … bei dem man mit muss

 

Beim Fotos bearbeiten bin ich im sogenannten Retro-Style gelandet. Ich fühlte mich sofort an alte Fotografien meiner Familie erinnert und das faszinierte mich.

Schwupps war ich gedanklich in die Vergangenheit eingetaucht. 

 

Franka im Retrolook, 2020

Es gingen mir viele Fragen durch den Kopf:

 

Wie lebten meine Ur-großmütter und Ur-ur-größmütter?

Was dachten sie über die Welt und über das Leben.

Was liebten sie und wen liebten sie?

Was konnten sie gut? Und konnten sie ihre Talente auch ausleben?

Hatten sie Träume?

Konnten sie diese verwirklichen?

Wurden sie enttäuscht? Gaben sie dann auf oder gingen sie weiter ihren Weg?

 

Und hatten sie überhaupt Zeit über solche Dinge nachzudenken?

 

Meine Oma erzählte mir irgendwann einmal, wie ein Tag aussah, an dem Wäsche gewaschen wurde. Mehrere Frauen arbeiteten da zusammen, um diese Aufgabe zu bewältigen.

Der Kessel wurde schon sehr früh am morgen angeheizt und die Wäsche der gesamten Familie wurde bearbeitet, mit Bürsten, mit Waschbrettern und Kernseife. Im Kessel wurde die Wäsche grührt und gewendet. Es wurde gebleicht und gebügelt. Das alles war harte körperliche Arbeit und sicherlich sehr anstrengend. Nebenbei wurden die Kinder versorgt und Essen musste auch auf den Tisch gebracht werden.

Meine Oma erzählte aber auch, dass die gemeinsame Arbeit Freude gemacht hat, es wurde geredet, gelacht, gesungen und Sorgen und Probleme konnten besprochen werden.

 

Das Leben damals war mit Sicherheit härter aber vielleicht war es auch echter?

 

Die Verbundenheit mit den Rhythmen der Natur war größer und das geistige Leben entspannter.

Oder ist das nur die romantisierte Vorstellung von mir?

 

Ich habe erst in den letzten Jahren wieder gelernt, mehr auf diese Rhythmen zu hören. 

Sie zu akzeptieren und zu verstehen.

 

Ich versuche es mit einfachen Worten zu erklären:

 

Kleine unscheinbare, ja von außen betrachtet unwichtige Samenkörnchen schwirren aus.

Wenn sie Glück haben, finden sie halt und können sich entfalten, beginnen zu wachsen, werden größer und größer. Wenn dann die Bedingungen stimmen also z.B. genügend Sonne da ist, ausreichend Wasser, Platz und Raum zum entfalten, dann steht das unbedeutsame Samenkörnchen von einst, in voller Blüte und Schönheit. Früchte reifen heran und die Ernte beginnt. Das ist eine freudige Zeit im Überfluss und im Reichtum, aber auch eine Zeit von hoher Energie, denn die Ernte einbringen ist Arbeit. Es ist anstrengend und Kräfte zehrend.

Aus diesem Grunde kann nicht immer Erntezeit sein. Was folgt, ist die Zeit der Ruhe, der Besinnung, der Einkehr. Die Natur zieht sich nach innen zurück um sich auszuruhen.

Spart Energie um zu regenerieren und um schließlich, wenn das Spiel aufs neue beginnt, in voller Kraft zu sein.

 

Meiner Meinung nach, folgt alles diesem Rhythmus. Es geht gar nicht anders. 

 

Franka im Retrostyle mit Hut

 

Jeder einzelne Tag folgt ihm, jedes Lebensjahr. Ja unser gesamtes Leben auf dieser Erde.

Jedes Vorhaben, das mit einem kleinen Gedanken beginnt, heranreift und in die Tat umgesetzt wird.

Jedes Talent das wir entfalten dürfen.

Jede Fähigkeit die wir erlernen, folgt diesem Rhythmus.

 

Nur wird uns suggeriert, dass wir Menschen davon abgekoppelt sind.

 

Wir leben in einer Zeit, in der ausschließlich die Ernte akzeptiert wird.

Weder das davor noch das danach wird ausreichend geachtet.

Höher, schneller, weiter …

 

Wie oft höre ich so dahin gesagte Sätze wie: “Man will sich ja nicht verschlechtern“.

Es muss immer alles besser, größer, perfekter werden.

 

Warum?

 

 

 

Wo soll es denn immer hinwachsen? Alles was ununterbrochen wächst wird zu einem Geschwür.

 

Um gesund zu sein, brauchen wir Zeit, um uns immer wieder aufs neue … sanft zu entfalten.

Wir benötigen dringend Ruhe und Regeneration. Nur so kann Neues entstehen. Nur so bleiben wir körperlich und auch psychisch gesund.

 

Wir können uns nicht den ganzen Tag mit Essen vollstopfen, der Körper braucht Zeit zum verdauen und er braucht auch mal eine Pause. Deswegen ist es so gesund ab und zu mal zu fasten oder bewusst Essenspausen einzulegen. Es gibt mittlerweile zahlreiche Studien die zeigen, dass Kalorienreduktion und Fasten die Selbstheilungskräfte aktiviert und uns buchstäblich verjüngt.

 

Was für den Körper und das Essen gilt, gilt auch für den Geist. Heutzutage werden wir ständig mit Informationen zugedröhnt und vermeintlich gehört es auch noch zum guten Ton, immer und überall informiert zu sein. Ständig ploppen irgendwelche NEWS auf.

Die jedoch mit unserem Leben sehr wenig zu tun haben. Die ablenken und uns dabei im Karusell des “beschäftigt seins“ halten und schlimmstenfalls sogar ärgern.

 

Wo bleibt da die Zeit für eigen Gedanken? Zeit um neue Dinge zu lernen? Das Leben zu genießen und um einfach im Moment zu sein?

 

Und hier schließt sich der Kreis.

 Franka im Retro-Style

Jede Generation hat ihre eigenen Herausforderungen zu bestehen.

Die letzten 100 Jahre haben die Welt rasant verändert.

Doch wo stehe ich als Frau im Jahr 2020?

 

Ich frage mich, was ich gemeinsam habe, mit den Frauen, die vor mir in der Kette des Lebens standen? Und was uns unterscheidet?

 

Manches wurde mir erzählt. Ich weiß, dass meine Uroma, das gleiche Haar hatte und die künstlerische Ader liegt auch in der Familie.

 

Wenn ich demnächst zu Hause bei meinen Eltern bin, werde ich mal wieder in alten Fotoalben blättern und vielleicht höre ich dann auch noch die eine oder andere bekannte oder unbekannte Geschichte meiner Familie.

 

Jetzt ist Herbst und das ist die rechte Zeit dafür.

 

Draußen stürmt es. Drinnen jedoch wartet ein heißer Tee und ein frisch gebackener Kuchen verströmt seinen Duft im ganzen Haus. Das Feuer im Kamin lodert und die Familie kommt zusammen.

 

Genau wie vor 100 Jahren, denn so sehr haben sich die Bedürfnisse von uns Menschen nicht verändert. Wir brauchen Wärme, Nähe und Zugehörigkeit.

 

Franka Baddura, Oktober 2020

 

 

 

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