Text und Foto F. Baddura

 

Januar-Blues

 

Das neue Jahr hat begonnen. So viel sanfter, leiser und verhaltener als die letzten Jahre.

Ein ungewohner Jahreswechsel war das. Am Silvesterabend vor dem prasselnden Kamin, während die kleinen Feuerfünklein hin und her sprangen, wurde Rückschau gehalten. Immer wieder ungläubiges Kopfschütteln, begleitet von den Worten: “Ach..., hätte uns das jemand vor einem Jahr erzählt, wir hätten es nicht für möglich gehalten“.

 

Trotz alledem, pünktlich um Mitternacht wurde die Flasche Sekt geöffnet, die Gläser klirrten maßvoll und elegant. Und mit Zuversicht flüsterte ich dem Liebsten ins Ohr: “Gesundes neues Jahr“.

 Foto Winterschoenheit, F. Baddura

Die Zahl 2021 fühlt sich noch fremd an, wenn ich sie in die Tastatur meines Laptop tippe. Ich erinnere mich an die Schulzeit. Die ersten Tage nach den Weihnachtsferien. Morgens in der ersten Stunde. Draußen war es noch dunkel. Ich saß im Klassenzimmer und schrieb zum ersten Mal das Datum mit der neuen Jahreszahl in mein Heft. Rechts oben, wo es hin gehörte.

Es dauerte immer ein paar Tage, bis ich mich daran gewöhnt hatte und die Zahlen ohne zögern und in einem Zug aufs Papier brachte.

Diese Tage erinnere ich mich an die Momente, in denen ich den Stift kurz absetzte. Ich erinnere mich an das Gefühl das ich dabei hatte. Ich fühle es wieder: Trauer und Wehmut (denn Weihnachten und die Ferien sind vorbei.)

Jedoch auch: Neugier und Freude auf das Kommende.

Komisch... dieses Jahr ist dieses Gefühl so intensiv wie lange nicht mehr. Es liegt wohl daran, dass ich manche Jahre gar keine Zeit hatte, darüber nachzudenken.

Als der Dezember noch gefüllt war mit Proben, Unterricht und Auftritten. Da bin ich erschöpf in die Weihnachtsferien gefallen. Diese waren immer viel zu kurz. Die Jahresplanung und der Strudel der Aktivitäten erfasste mich sehr schnell wieder und alles ging von neuem los.

 

Foto Gaenseliebe, F. Baddura

Nun, diesmal ist alles anders. Das neue Jahr breitet sich vor mir aus, wie eine große leere Leinwand. Ich schaue auf die vielen Monate, Tage und Stunden. Ich frage mich:

Wie will ich meine Zeit füllen?

Was will ich wirklich machen?

 

Ehrlich?

 

Ich weiß es nicht.

Ich komme hier nicht weiter. Mit meinen Gedanke und diesem Text.

Darf ich das zugeben?

Darf ich das schreiben?

Ich wollte doch einen motivierenden und vor allem Mut machenden Text im Januar veröffentlichen.

Ich wollte mit gutem und zuversichtlichen Beispiel voran gehen. Und jetzt:

Bähm! Nichts, Leere, Unsicherheit, Furcht, Selbstzweifel, zu viele Ideen …

Aber was will ich wirklich?

 

Mir fällt ein: “Wer nicht weiß in welche Richtung er gehen will, dem hilft auch galoppieren nichts.

 

Ein weiser Spruch. Also nehme ich das Tempo und den Druck aus meinen Gedanken. Ich tue einfach mal nichts.

 

Foto Erinnerung, F. Baddura

 

Ja, es ist völlig o.k. nicht zu wissen, wie es weiter gehen soll.

Vor allem, wenn in der Welt in der man lebt, nichts mehr so ist, wie es einmal war.

Nichts mehr so ist, wie man es kannte.

Wenn irgendwie alles auf dem Kopf steht.

 

2 Tage … 3 Tage …

Jetzt könnte ich ja mal … Aber ach: Nichts.

Ich habe keine Lust auf gar nichts. Das trübe Wetter schlägt aufs Gemüt und ich öde mich selber an.

 

Der weise Spruch fällt mir zum Glück wieder ein: "Wer nicht weiß in welche Richtung er gehen will, ...".

Ich nehme ein Buch zur Hand, eines das ich immer schon mal lesen wollte, aber nie die Muse dazu hatte.

Die erste Woche des neuen Jahres ist nun rum.

Ich weiß es immer noch nicht. Aber es gelingt mir eine Sache: Mich selbst mit Humor zu beobachten.

Und … auf einmal ist er da, der Moment. Und ich weiß ganz genau was ich will.

 

Die Last der letzten Tage streife ich ab, wie einen zu schweren Mantel.

Als ich am nächsten Morgen meinen ersten eigenen Kunst-Kalender in meinem Kreativraum aufhänge und die erste Seite zum Januar umschlage. Lese ich:

“Ich darf der Leichtigkeit folgen und das tun was mir Spass macht.“

Ich schmunzel und denke: Da steht es doch schon ... ich hatte es fast vergessen.

 

Ich schaue auf die leere Leinwand und jetzt weiß ich es. Ich werde sie füllen!

Mit Farbe, mit Bewegung, mit Lachen und Lieben, mit vielen neuen Erfahrungen, mit Wissen und mit neuen Erkenntnissen. 

 

Jetzt freue ich mich richtig drauf. Herzlich Willkommen 2021!

 

Bild mit den Herzenswuenschen für 2021, F. Baddura Franka Baddura, 10. Januar 2021

 

Die Fotos sind am Silvestertag 2020 in Dresden entstanden.

 

 

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